Wie Du und dein Kind locker durch die Trotzphase kommen

6 Mai 2019

7 Praxistipps einer Tagesmutter, wozu die Trotzphase dient, wie ihr damit umgehen und daran wachsen könnt.

Es fängt ganz plötzlich an:

  • Wutanfälle vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt
  • Schreisalven in einer Tinitusfrequenz wegen Kleinigkeiten
  • Absolute Verweigerung von alltäglichen Handlungen
  • Gewaltausbrüche in Form von Beißen, mit Gegenständen werfen oder ähnliches

Willkommen in der Trotzphase!

Klar, neu ist diese Information wirklich nicht. Aber wie kannst Du sinnvoll mit dieser Phase umgehen, und wozu durchlebt dein Kind diese Phase überhaupt?

Der Grund für einen Trotzanfall ist fast immer Frustration:

  • Wenn das Kind (beim spielen) gestört wird (weil Du jetzt gerade zur Kita fahren möchtest, es die Windel voll hat und gewickelt werden muss oder weil sonst etwas Wichtiges ansteht),
  • wenn die Erwartung des Kindes, aufgrund von vorherigen Erfahrungen, nicht erfüllt wird („Ich bekomme doch sonst auch immer eine Scheibe Wurst an der Fleischtheke„),
  • wenn dein Kind nicht den erwarteten Erfolg bekommt („Dieser blöde Turm will einfach nicht stehen bleiben„),
  • wenn Kinder sich streiten („Mein Spielzeug, dein Spielzeug“) oder
  • wenn ein Wunsch nicht befriedigt wird („Es gibt jetzt keine Süßigkeiten„).

Ursachen

Mit zunehmender Aktivität (laufen, sprechen, spielen) ist dein Kind in der Lage seine Welt zielgerichteter und intensiver zu erforschen und zu erfahren. Es wird unabhängiger und möchte gerne eigene Wege gehen. Dieses Streben nach Unabhängigkeit beginnt ungefähr ab 20 Monate. Dein Kind wird aus Prinzip zum Nein-Sager und baut sein eigenes Ich-Bewusstsein auf. Es ahmt Handlungen und Phrasen nach und kommt sich richtig GROß vor. Klingt ein weinig nach Pubertät, ist es auch.

Verhaltenstipps im Ernstfall

Ein Beispiel: Dein Kind spielt gerade ganz konzentriert. Ihr müsst aber los zur Kita. Anstatt, wie sonst immer, aufzustehen und sich anzuziehen fängt es an zu toben und zu schreien, dass deine Nachbarn denken ein Guerilla-Kämpfer wäre bei euch eingedrungen. Was tun?

  1. Zunächst solltest Du ruhig bleiben! Wenn Du mit der gleichen Energie reagierst wie dein Kind gerade ausstrahlt, schreit ihr beide euch am Ende nur an (und ich weiß aus Erfahrung, dass Du nicht so lange schreien kannst wie dein Kind). Atme ein paar Mal tief und achte darauf mit ruhiger Stimme zu sprechen, gerne auch ein paar Dezibel leiser. So wird dein Kind auch leiser, weil es Dir zuhört. Wenn dein Kind weint und schreit biete ihm Nähe und Trost an. Wenn es das nicht möchte, lass es erst einmal austoben. Alles andere hilft sowieso nicht. Aber zeige ihm keine Ablehnung, sondern Liebe.
  2. Nur nicht persönlich nehmen: Dein Kind trotzt nicht um dich zu ärgern. Es braucht deine Hilfe, damit es lernt selbständig mit seinen Emotionen umzugehen. Setze ihm liebevoll aber konsequent Grenzen, und hilf ihm dabei zu lernen, welches Ziel es erreichen möchte und welche Situation es vermeiden will.
  3. Schenke ihm deine volle Aufmerksamkeit: Versuche nicht die Situation zu klären während Du die Küche aufräumst oder deine Sachen zusammen suchst oder die Tasche packst. Setze dich zu deinem Kind und schaue ihm in die Augen. So bekommst Du auch seine volle Aufmerksamkeit. Ihr wollt die Situation zusammen klären.
  4. Gefühle spiegeln: Mach deinem Kind klar, dass Du verstehen kannst, warum es jetzt wütend ist. Reagiere mit Verständnis („Du bist gerade so schön am spielen, ich verstehe das. Mir geht es heute ähnlich. Ich fühle mich heute ……..„).
  5. Zeige ihmauf, warum es jetzt nicht spielen kann („Es ist jetzt 7 Uhr. Wir müssen uns anziehen und zur Kita fahren weil Mama zur Arbeit muss.“).
  6. Zeige deinem Kind Lösungswege auf. Biete ihm an, das Spielzeug an einen bestimmten Platz zu stellen, damit es am Nachmittag gleich weiter spielen kann. Aber vorsicht: Manchmal versprechen wir etwas das wir nicht halten können. Wenn Du z. B. versprichst am Nachmittag mit deinem Kind zu spielen, solltest Du das auch einhalten. Kinder haben manchmal ein sehr gutes Gedächtnis.
  7. Manchmal geht es nicht anders. Dein Kind möchte keinen anderen Lösungsansatz, ist taub für die beste Begründung und bleibt stur. Dann setze ihm einen Schlusspunkt. Zeige ihm ganz klar, dass Du die Situation auf jeden Fall beenden wirst. Aber gib ihm Zeit selber darauf zu reagieren. Z.B.: Sage ihm: “ Ich hole jetzt unsere Jacken. Wenn ich wieder da bin, ziehen wir uns an und gehen aus dem Haus. Du kannst dein Spielzeug ins Regal stellen oder nicht, aber wir fahren gleich zur Kita!“ Dann gehst Du aus dem Zimmer und holst die Jacken. Wenn Du wieder kommst und dein Kind immer noch nicht mit dir kommen möchte, kannst Du es dir auch unter den Arm klemmen und aus dem Haus gehen. Dein Kind lernt dadurch konsequentes Handeln und wird beim nächsten Streit darauf hören, was du sagst.

Eine ähnliche Situation erlebe ich ab und zu, wenn ich mit meinen Tageskindern raus gehen möchte, ein Kind aber etwas anderes vor hat. Dann gehe ich nach dem gleichen Schema vor. Klar weint beim ersten Mal das Kind. Aber es ist wichtig, dass die Kinder die Autorität des letzten Wortes lernen. Sie erfahren, dass sie auf eine Situation durchaus Einfluss haben. Aber wenn wir uns nicht einigen können habe ich das letzte Wort. Nur so bleibt gewährleistet, dass wir alle genug Raum haben und sich jeder von uns in seiner eigenen Zeit entwickeln kann.

Wenn Du konsequent eine Linie verfolgst, und dein Partner auch, lernt dein Kind mit jeder Situation hinzu und Du wirst beeindruckt sein wie schnell das geht.

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Deine Sabine

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