Großtagespflege in der WDR Lokalzeit

29 Jan 2015
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Am 27.01.2015 berichtete die WDR Lokalzeit über die Großtagespflege “Die Windelrocker” in Bielefeld. Die Tagesmutter, Sabine Kroschewski, stellte in dem Beitrag das Konzept der Großtagespflege am Beispiel ihrer eigenen Unternehmung vor. Auch wenn nicht alle Details ganz korrekt dargestellt wurden (Essensgeld, Anzahl der Kinder etc.), so gibt der Bericht einen schönen Einblick in unsere Arbeit.

Es ist so wichtig, den Kindern in den ersten drei Jahren viel Zeit und Raum für ihre Entwicklung zu geben. Das bestätigen auch aktuelle Studien (Wiener Krippenstudie, DJI, Descartes-Universität in Paris, Beitrag in der National Geographic 1/2015). Zwischen dem ersten und dem fünften Lebensjahr macht das Gehirn durch manigfaltige Anregungen mehrere Phasen von Entwicklung und Spezialisierung durch. Die Erfahrungen und Aktivitäten in dieser Zeit beeinflussen entscheidend, welche Schaltkreise auf Dauer erhalten bleiben. Einen ähnlich radikalen Auf- und Umbau erfährt das Gehirn später nur noch einmal: in der Pubertät. (Auszug aus der National Geographic 1/2015, S. 112 ff)

Während der ersten 12 Monate wird das Kind oft von den Eltern hingebungsvoll gefördert. Pekip, Babyschwimmen, Krabbelgruppen gehören heute genauso selbstverständlich zum Baby-Förderprogramm wie die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Aber wenn das Elterngeld ausläuft sind viele Eltern gezwungen die passende Betreuung für ihr Kind zu finden. Die Kindertagespflege / Tagesmutter ist da manchmal sogar empfehlenswerter als die Betreuung zu Hause. Warum?

Mit der wachsenden Gehirnleistung steigt auch der Anspruch des Kindes. Es will weiter Input erhalten. In einer Gruppe kann es dies entsprechend seinen Fähigkeiten und baut seine Fertigkeiten weiter aus. Zusatzangebote wie Musikpädagogik und regelmäßige Waldbesuche fordern alle Kinder und fördern die jeweiligen kognitiven Fähigkeiten. Hinzu kommt, dass es wichtig wird mit den anderen Kindernn und uns Tageseltern zu kommunizieren. Zu Hause hat ein Kind seine Eltern schnell dressiert. Eine Mutter weiß was dieses “Heä” bedeutet oder was das Kind mit “Gaga” sagen möchte. In der Gruppe ist das nicht so einfach. Es ist notwendig sich klar auszudürcken, wenn man seinen Willen haben möchte.

In unserer Großtagespflege lernen die Kinder miteinander zu spielen, zu streiten, zu schlafen und zu essen. Sie erfahren, dass man gemeinsam singen, sich Spielzeug teilen kann und wieviel Spaß es macht gemeinsam zu rutschen, zu klettern und zu bauen. Dabei lernen die Kinder einfache soziale Strukturen und leichte Konflikte selber zu lösen. Durch die überschaubare Gruppengröße von 9 Kindern können sie sich schnell orientieren, und die festen Bezugspersonen (Andreas und Sabine) helfen ihnen Regeln leichter zu akzeptieren. Ganz wie in einer großen Familie eben.

Das Bild der Familien hat sich seit den 1970 / 1980-Jahren geändert. Früher wohnten viele Kinder in einer Straße oder im Haus und gemeinsames Spielen war völlig normal. Meine Mutter erinnert sich heute nur noch daran, dass ich selten zu Hause war. Bereits mit zwei Jahren habe ich die Nachbarn in unserem Haus besucht und mit den Kindern dort gespielt. Wenn meine Kinder heute mit anderen Kindern spielen möchten,  muss ich mich mit den Eltern verabreden. Kinder können nicht mehr auf der Straße spielen und die Nachbarskinder sind in einem abgesperrten Garten, zu dem man natürlich eine Einladung haben möchte.

Die Tatsache, dass die Eltern für die Betreuung in der Kindertagespflege das gleiche bezahlen wie für die Betreuung in einer Kita stellt die Eltern vor die Qual der Wahl. Durch den umfassenden Ausbau der Kitas ist es heute aber leichter ein Kind unter drei Jahren in einer Kita anzumelden als über drei. Für uns ist diese Politik wenig verständlich, da die Betreuungsplätze zwar erhöht wurden, der Betreuungsschlüssel aber gleich geblieben ist.

Die Kindertagespflege ist so individuell wie die Familien aus denen die Kinder kommen. Jede Familie kann ihre beste Betreuung finden. Spaß und Symphathie sind unsere Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

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