Essen für Anfänger

17 Okt 2017
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Ich glaube, fast alle Eltern kennen das: “Mein Kind bleibt nicht am Tisch sitzen”, oder “Mein Kind mag die meisten Sachen nicht, die ich koche”. Auf jeden Fall gibt’s bei Tisch immer Stress! Als Tagesmutter kann ich aber keinen Stress am Tisch gebrauchen; schließlich sind die Kinder in der Überzahl ;-)

Das muss auch nicht sein, wenn man ein paar Dinge beachtet:

1. Essen macht Spaß!

Vermeiden Sie nach Möglichkeit Ermahnungen und Schimpfen. Das Kind muss sich auf das Essen freuen. Das kann es, wenn es weiß, dass es etwas schönes gibt. Bei mir sind die Kinder während des kochens meistens in der Küche und probieren zwischendurch, riechen an den Gewürzen oder probieren die Zutaten (Gemüse oder Nudeln). Wenn das Essen dann (endlich) fertig ist, freuen sich alle und helfen beim Tisch decken.

2. Beachten Sie feste Zeiten für das Essen

So können Sie den Tagesablauf planen und sich auf den Schlafrythmus ihres Kindes einstellen.

3. Rituale:

Wir singen immer ein bestimmtes Lied, wenn wir uns an den Tisch setzen. So weiß jedes Kind, dass jetzt gegessen wird. Jedes Kind hört auf zu spielen. Das ist wichtig, damit die anderen Kinder in Ruhe essen können. Wenn wir dann alle am Tisch sitzen, wünschen wir uns zuerst einen “Guten Appetit”. Jetzt wird gegessen. Aber wie?

4. Ein Kleinkind möchte lernen richtig zu essen

Dazu braucht es aber eine Fähigkeiten: Es muss die Hand zum Mund führen. Gar nicht so einfach für einen Anfänger. Ein Löffel macht die Sache auch nicht leichter. Dazu kommt noch, dass wir Menschen um den Mund herum sehr empfindlich sind. Das ist ein super Instrument um die verschiedenen Konsitenzen kennen zu lernen. Geben Sie ihrem Kind Zeit. Es darf ruhig mit den Fingern essen, das Essen im Gesicht verteilen und die einzelnen Komponenten vermischen. Wichtig ist, dass Sie als Vorbild mit essen, und zwar mit Messer und Gabel. Ihr Kind beobachtet Sie. Sobald es im Umgang mit dem Essen sicherer wird, wird es von alleine versuchen, die Esswerkzeuge zu benutzen.

5. Zeit? Was ist das?

Ein Kleinkind kann sich eigentlich nicht länger als ein paar Minuten auf eine Sache konzentrieren. Sie möchten aber, dass es während des Essens sitzen bleibt. Das erreichen Sie so:

a) Kochen Sie ein Essen, dass aus mehreren Konponenten besteht. Kochen Sie z. B. Kartoffen, Möhren und Erbsen, und pürieren Sie das Essen möglichst nicht. So kann das Kind die einzelnen Dinge erforschen (Konsistenz, Geruch, Geschmack). Es kann danach suchen (“Schon wieder eine Erbse”). Es kann die Namen der Dinge lernen, und es kann entscheiden, ob es dieses Ding mag. Das dauert ein wenig.
b) Planen Sie eine Dauer für das Essen ein. Es sollte z. B. nicht länger als 30 Minuten dauern. Viel länger können die meisten Kleinkinder nicht sitzen. Und das Kind lernt auch, diese Zeit zum essen zu nutzen. Gerade wenn mehrere Kinder am Tisch sitzen, ist es wichtig, dass sie wissen, dass sie danach aufstehen dürfen. Diese Empfehlung können Sie aber individuell probieren. Manchmal essen Kinder gerne langsam, aber sie essen die ganze Zeit. Manchmal spüren Kinder auch sehr schnell eine Sättigung, dann können 30 Minuten lang werden.
c) Es gibt keine Alternative. Wenn ein Kind nicht essen möchte, kann es auch schon schlafen gehen (und vielleicht danach essen). Bieten Sie ihm keinen “Ersatz” an, wie Schokobrötchen, Käse, Obst etc. Ein hunriges Kind wird essen.
d) Bestimmte Speisen gibt es zu bestimmten Zeiten. Frühstück gibt es am Morgen, Mittag gibt es zur Mittagszeit, Abendbrot gibt es vor dem Schlafen gehen. Dazwischen ist Obst ein guter Lückenfüller. Wenn ein Kind zu einer Mahlzeit keine Lust hat, kann es seinen Hunger zwischendurch auch mit Obst füllen. Aber achten Sie darauf, dass es sich nicht gänzlich satt isst; schließlich ist die nächste Malzeit nicht mehr weit. Zu besonderen Gelegenheiten (Geburtstag, Besuch, am Wochenende o.ä.), kann es natürlich auch Kuchen oder Kekse geben. Seien Sie kreativ, wenn es um die Gestaltung des Essensplans geht. Lassen Sie ihrem Gaumen freien Lauf, aber achten Sie darauf, dass ihr Kind die Mahlzeiten zuordenen kann.

6. Der Gaumen muss sich dran gewöhnen

Dieser alte Spruch wird oft missverstanden. Gemeint ist damit, meiner Meinung nach, dass das Kind sich an einen Geschmack erst gewöhnen muss. Seinen Sie nicht traurig, wenn ihr Kind das Essen nicht sofort mag (auch wenn es ihr persönliches Lieblingsessen ist). Mein Sohn mochte anfangs tatsälich keine Spagetti Bolognese (unverständlich!). Erst nachdem ich mehrmals dieses Gericht gekocht hatte, fand er Geschmack daran (das könnte auch daran liegen, dass meine Kochkünste mit der Zeit besser wurden).
Im Ernst: Kochen Sie ein Gericht ruhig öfter, und Sie werden sehen, dass sich ihr Kind mit der Zeit an den Geschmack gewöhnt. Das gilt vor allem für alle Kohlarten die viele Bitterstoffe in sich haben. Gewürze verleien den Speisen einen speziellen Geschmack. Kochen Sie abwechslungsreich und experimentieren Sie auch mal. Ein Tag mit Kokusreis und Fisch ist genauso spannend wie ein Kürbiseintopf, Linsenlasagne oder Spinat mit Fischstäbchen. Jedes Gericht schmeckt vollkommen anders. So lernt ihr Kind Geschmacksrichtungen zu unterscheiden.

7. Nehmen Sie es  nicht persönlich

Seien Sie nicht traurig, wenn ihr Kind ein Gericht nicht essen möchte. Das kann so viele Ursachen haben (Müdigkeit, Zahnen, Unwohlsein, persönlich Abneigung gegen diesen Geschmack…..). Die Geschmacksknospen ändern sich alle paar Monate. Etwas, was ihr Kind sonst immer gegessen hat, passt manchmal einfach nicht. Wichtig ist nur, dass es probiert. Wenn ein Kind ein Gericht absolut nicht mag, muss es das auch nicht essen. Sie finden sicher Alternativen. Und Nudeln schmecken immer, auch ohne Soße oder Ketchup.

Mit diesen Punkten kommt der Spaß an den Tisch und das Essen wird zum Vergnügen.

In diesem Sinne: Guten Appetit!

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