Die Sache mit der Schnullerfee

15 Dez 2015
schnullerbaum

In letzter Zeit flattert ein unheimliches Gerücht durch unsere Räume, fast wie ein Gespenst. Die Kinder sind ganz aufgeregt.

Nein, es ist nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind das alle so nervös macht. Es ist die Schnullerfee! Sie kommt ganz unerwartet, und nimmt die Schnuller mit!

Wenn die Kinder zwei Jahre alt sind, kommt von den Eltern vermehrt die Frage: “Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?” Wir antworten darauf immer: “Warte auf den richtigen Zeitpunkt.” Naja, so ganz ehrlich ist das nicht. Die Warheit ist, dass die Lösung vom Schnuller schon früh beginnt:

In der Entwicklung vom Baby zum Kleinkind spielt der Schnuller eine wichtige Rolle. Grundsätzlich soll er das Kind beruhigen, stellt eine Art Ersatz zur Mutterbrust dar. Sobald sich das Kind aber mit Dingen beschäftigt, es anfängt zu spielen, braucht es mehr Freiheit im Mund. Beobachten Sie sich einmal selber. Wenn wir uns konzentrieren bewegen wir unsere Zunge im Mund. Einige beißen auf die Lippe, andere strecken leicht die Zunge heraus und wieder andere Menschen kreisen ihre Zunge im Mund. Der Grund dafür liegt im Gehirn. Die Schaltzentrale für Hände und Füße liegt direkt neben der Zungen-Schaltstelle. Dazu kommt, dass Babys Gegenstände mit dem Mund untersuchen. Sie nehmen alles in den Mund um die Oberfläche, den Geruch und den Geschmack von Gegenständen zu erforschen. Also lautet die erste Regel: Schnuller raus beim spielen! Das gleiche gilt auch für Spaziergänge.

Dann ist da aber noch die Sache mit dem beruhigen. Ein Kleinkind ist den ganzen Tag einer Flut von Eindrücken ausgeliefert. Manchmal ist es dabei überfordert und weint. Klar bekommt es dann seinen Schnuller. Aber mit dem Schnuller haben viele Kinder noch einen Tröster, einen Teddy, ein Tuch oder ein anderes Spielzeug. Dieser Tröster spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung. Das Kind braucht diesen Gegenstand immer und überall, er gibt ihm Sicherheit und Schutz. Fühlt sich ein Kleinkind unsicher und hat Angst, kann es sich an diesem Tröster fest halten.

Mit der Zeit wird das Kind immer sicherer. Mit 18 Monaten kommen die ersten Worte und es lernt sich seiner Umgebung mitzuteilen ohne gleich zu schreien. Das Weinen wird langsam zu einem Druckmittel: Tust Du nicht was ich will, mache ich Lärm. Der Schnuller wird mehr und mehr zu einer Ersatzbefriedigung, und viele Eltern geben gerne nach um ihre Nerven zu schonen. Das machen wir nicht.

Bei Bim Bam Boo gilt die Regel: Den Schnuller gibt es zum schlafen oder im Notfall. Dieser Notfall kann ein Konflikt mit einem anderen Kind sein oder ein kleiner Zusammenprall. Aber mit dem Schnuller bekommt das Kind immer auch seinen Tröster. Nach und nach fällt der Schnuller weg. Das Kind lernt ein Gefühl “auszuhalten” bis es vorbei ist. Dabei helfen ihm der Tröster und die Bezugsperson (Andreas oder Sabine). Streicheln, in Arm nehmen, bestimmte Rituale oder eine kleine Ablenkung und die Situation ist nicht mehr so dramatisch.

Ab dem zweiten Geburtstag kann man fast dabei zusehen, wie leicht sich das Kind von seinem Schnuller löst. Das Ding fliegt rum, geht verloren oder das Kind “zerbeisst” das Gummi. Die Situationen, in denen es seinen Schnuller wirklich braucht, werden immer seltener. Jetzt ist das Selbstbewusstsein so gestärkt, dass sich das Kind von dem Schnuller verabschieden kann. Gemeinsam mit der Mutter / dem Vater kann es den Beschluss fassen: Den Schnuller brauche ich nicht mehr! Zuerst nicht mehr im Auto, dann braucht das Kind ihn nicht mehr für den Mittagsschlaf und schließlich kann die Schnullerfee kommen.

Wir haben in diesem Jahr drei Kinder dabei begleitet wie sie sich vom Schnuller verabschiedet haben. Bei allen dreien ging das ohne Tränen und ohne Trennungsschmerz. Die Kinder fühlen sich stark genug und gehören jetzt zu den Großen (die bald in den Kindergarten gehen). Das motiviert die anderen Kinder und nimmt die Angst vor dem Verlust.

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